Wanderung in Goriška / Slowenien am 26. Mai 2017

Krn und Batognica

Mit dabei: Alexander M.

Auf meinem kleinen Roadtrip übers Auffahrtswochenende durch Slowenien unternehme ich eine tolle Wanderung in den Julischen Alpen – einem mir zuvor völlig unbekannten Flecken Erde.

Typische Szenerie am Soča-Fluss (Isonzo)

Mit dem Auto fahre ich am späteren Nachmittag das Soča-Tal hinauf und biege in das Seitental Lepena ab. Eine schmale Strasse führt mich hinauf bis zum Gasthof „Dom Dr. Klementa Juga v Lepeni“ auf etwas 700 Höhenmeter. Hier packe ich meinen Rucksack für eine Nacht und einen Tag. Mit dabei sind Schlafsack, Mätteli, Gaskocher, Essen, Getränke, Daunenjacke – und an den Füssen die Bergschuhe.

Vom Parkplatz führt ein Weg in unzähligen Kehren über die Steilstufe bis hoch zur Bergstation der kleinen Materialseilbahn. Die warmen Temperaturen sind vor allem deshalb gut auszuhalten, weil es im Wald schön schattig ist. Ich bin froh, nicht nur mit den Trailrunning-Schuhen gestartet zu sein; der Weg ist ziemlich steinig.

Nach den ersten ca. 700 Höhenmetern wird es flacher und der Weg führt geradeaus durch den Taleinschnitt. Wenig später, nach einigen Metern Abstieg, stehe ich bei der (noch geschlossenen) Hütte „Planinski dom pri Krnskih jezerih“, was so viel heisst wie „Krn-Seen-Berghütte“. Hier möchte ich eigentlich nach einem schönen Biwakplatz draussen suchen, doch bald einmal merke ich, dass die Hütte über einen Winterraum („Bivak“) verfügt. Obwohl die Hütte noch geschlossen ist, ist der Hüttenwart bereits zugegen, und auch wenn wir keine gemeinsame Sprache zur Verständigung finden, können wir ein paar Worte wechseln und zusammen ein Bier trinken.

Das Biwak ist einfach eingerichtet: Unten einen Tisch (aber keinen Ofen), oben etwa 15 Schlafplätze. Interessant ist auch, dass der Winterraum über zwei Eingänge verfügt; der obere wird wohl im Winter verwendet, wenn der untere eingeschneit ist.

Auf dem Weg zum Krn-See

Nach einer sehr ruhigen Nacht wandere ich am nächsten Morgen beizeiten los in Richtung Krn. Der Weg führt über Alpweiden vorbei, hoch zum wunderschönen Krn-See (Krnsko jezero). Das morgendliche Vogelgezwitscher widerhallt an den Felswänden rundherum.

Krn-See, dahinter mein Tagesziel, der Krn

Am See vorbei wird eine Steilstufe überwunden, bevor es wieder flach wird und eine kleine Jägerhütte passiert wird. Nun steigt der Weg wieder an, und bald einmal gelange ich auf die ersten Schneefelder. Ein paar ältere Spuren helfen mir bei der Orientierung. Die Sonne brennt bereits heiss, aber ich komme gut voran, auch dank der festen Schuhe.

Erste Schneefelder

Bald einmal gelange ich auf den Pass am Grat zwischen dem Krn und der Batognica. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Krn-Gipfel. In der Gipfelflanke weiden Schafe, und weit unten fliesst die türkisblaue Soča. Auf dem Gipfel treffe ich die ersten anderen Wanderer; sie sind von der Tolminer Seite hochgestiegen; offenbar die populärere Variante.

Aussicht vom Krn mit Triglav

Blick in den Süden ins Isonzo-Tal (Soča-Tal)

Blick Richtung Italien

Auf dem Gipfel sind überall Spuren des ersten Weltkriegs zu sehen. Es liegt alter, verrosteter Stacheldrahtzaun herum, und hier und dort stehen noch alte Geschosse und Teile von Kanonen. Die Aussicht vom Gipfel ist grossartig. Auf der einen Seite die Julischen Alpen mit der dominierenden Berggestalt Triglav, und dann auf der anderen Seite die flacheren Hügel in Richtung Kroatien und Italien.

Etwas unter des Gipfels befindet sich die Krn-Hütte – offenbar hervorgegangen aus einer italienischen Militärunterkunft aus dem ersten Weltkrieg. Ihr statte ich auch noch einen kurzen Besuch ab, bevor ich zurück zum Pass wandere.

Aussicht von der Krn-Hütte

Krn-Hütte

Vom Pass steige ich nun auf dem Wanderweg hoch zur Batognica und über deren flachen Rücken hinweg. Auch hier finden sich überall Spuren des Krieges, der hier vor 100 Jahren stattgefunden hat: Schiessscharten, in den Fels gehauene Treppen, Stolleneingänge, Stacheldraht. Schon verrückt, dass hier, hoch oben in den Bergen, sich zwei Armeen einen erbitterten Kampf lieferten. Auf Wikipedia lese ich später, dass hier die Italiener und die Österreich-Ungaren versuchten, einander vom Berg wegzusprengen, indem sie Stollen bauten und diese mit Sprengstoff füllten.

Überresten des ersten Weltkriegs

Überbleibsel der italienischen Artillerie zwischen Krn und Batognica

Gedenktafel an der Batognica

Nach der Batognica gelange ich auf einen weiteren Pass. Hier stellt sich die Frage: Noch weiter wandern, oder von hier wieder auf die Aufstiegsroute gelangen? Weil meine Wasservorräte schon fast weg sind, wähle ich letztere Variante und rutsche & renne über die Schneefelder nach unten.

Vor dem Abstieg über die Schneefelder

Bald einmal bin ich wieder auf dem Aufstiegsweg und folge diesem zurück zum Krn-See und zur Hütte mit dem Winterraum.

Wieder beim Krn-See

Nach einer weiteren Rast begebe ich mich nun an den Abstieg über die endlosen Haarnadel-Kurven hinunter zum Parkplatz.

Wieder im Haupttal der Soča

Karte