🥾 Wanderung12. Juni 2011

Grosse Churfirsten-Tour

Sieben Churfirsten & fünf weitere Gipfel

ca. 5 Minuten Lesezeit

Lange Tour über die sieben Churfirsten und fünf weitere Gipfel der Churfirsten-Kette. Ein Tourenbericht von 🔗marmotta hatte bei mir vor Kurzem das Interesse geweckt: Die 🔗Überschreitung der westlichen Churfirsten-Gipfel vom Selun bis zum Leistchamm. Ausführlich dokumentiert hat 🔗Matthias 🔗dieselbe Tour vor vier Jahren. Interessant wäre es – dachte ich mir – alle Gipfel der Churfirsten an einem Tag zu besteigen: Vom Chäserrugg bis zum Leistchamm. Nicht auf der direkten Linie mit anspruchsvoller Kletterei – so wie es Thomas Wälti in der Bergmonografie ‚Churfirsten‘ beschrieben hat – sondern auf der Wanderroute, wo Schwierigkeiten zwischen T2 und T5 erreicht werden.

Mit der letzten öV-Verbindung fahre ich nach Unterwasser und starte im Mondschein kurz nach Mitternacht zu meiner langen Wanderung. Nach dem Iltios gelange ich auf den falschen Weg und muss so einen Umweg über Hinterrisi – Plisa – Sattel (beim Gamserrugg) machen. Auf dem Chäserrugg ist es stockdunkel. Tief unten leuchten die Lichter des Seez- und des Rheintals. Das Wetter scheint gut zu werden.

Vom Chäserrugg ist der Hinterrugg bald erreicht. Ich bin früher dran, als geplant, und der Abstieg in der feuchten Flanke zum Glurissattel ist in der Dunkelheit (mit Stirnlampe) nicht ganz ohne. Von meiner letzten Churfirsten-Tour hatte ich das Gluristal in schlechter Erinnerung. Auch heute finde ich nicht die beste Route und muss mir den Weg durchs Geröll mühsam suchen.

Als ich den Schibenstoll erreiche, bricht der Tag langsam an: Über dem Alpstein wird es hell. Die gwundrige Schafherde kurz unterhalb des Gipfels werde ich nur los, indem ich das Leitschaf mit einigen Darvida-Biscuits füttere…

Der Zuestoll bringt eine willkommene Abwechslung: Der Weg führt über den schmalen Grat des Vorgipfels; einige leichte Kletterstellen müssen überwunden werden. Auf dem Gipfel gönne ich mir einen Frühstücksrast. Im Abstieg vom Zuestoll treffe ich erstmals einen anderen Wanderer – heute sind nicht viele Leute unterwegs.

Vom Zuestoll gehts weiter zum Brisi. Hier muss ich ziemlich kämpfen – das Gipfelkreuz will einfach nicht auftauchen! Der Weg ist ziemlich schmierig, was Auf- und Abstieg mühsam macht. Unterdessen zieht der erste Nebel auf und kriecht die Rücken der Churfirsten-Gipfel hoch – ein faszinierendes Schauspiel.

Als nächstes ist der Frümsel dran. Dank einem Schneefeld, welches ich im Aufstieg benutzen kann, muss ich nicht bis zur Alp Torloch absteigen. Der Frümsel ist der wohl steilste der Churfirsten-Gipfel – mit seiner guten Weganlage aber ein Genuss.

Nun wird es langsam absehbar: Der Selun – der letzte der sieben offiziellen Churfirsten – kommt in Sicht. Vom Frümsel kann man bis auf ca. 1800m absteigen, nach Westen queren und über eine Abkürzung direkt auf den Rücken des Seluns gelangen. Ich finde die Markierung der Abkürzung nicht, mehrere logische Aufstiegsrouten ergeben sich aber (ca. T5). Kurz vor dem Mittag erreiche ich den siebten Gipfel.

Unterdessen zieht immer mehr Nebel auf. Nach Regen schaut es jedoch nicht aus – deshalb beschliesse ich, mich auf den Weg Richtung Wart zu machen. Ab hier ist die Tour meist weglos; es empfiehlt sich also, eine gute Routenbeschreibung dabei zu haben. Der Bericht von Delta ist mir dabei sehr hilfreich – besten Dank an dieser Stelle. Den Aufstieg über den steilen, mit grossblättrigen Pflanzen bewachsenen Hang zum Wart empfinde ich ebenfalls als mühsam. Das Gipfelkreuz des Wart steht nicht auf dem höchsten Punkt, sondern auf dem westlichen Gipfel.

Weiter geht es auf dem Grat zum Schären. Auf der Südseite geht es tief runter, und ich bin manchmal froh, dass der Nebel den Blick in die Tiefe verwehrt. An einer Stelle muss ca. 4 Meter abgeklettert werden (II) – hier nur keine Fehler machen! Die einfache Kletterei zum Vorgipfel des Schären ist sehr interessant. Man folgt hier Gemsspuren, und hat das Gefühl, direkt durch die Wohnstube einer Gemse zu kraxeln. Hier ein Liegeplatz, dort einige Spuren, und dazwischen gilt es aufzupassen, nicht direkt in eines der Kothäufchen zu greifen. Vom Vorgipfel geht’s über einen Grashang einfach zum Gipfel des Schären. Meine Beine machen sich langsam bemerkbar.

Auf dem Grat geht es nun weiter zum Nägeliberg. Von dessen Gipfel folge ich – wie von Delta und marmotta vorgeschlagen, dem Grasband auf der Südseite des Westgipfels, um dann scharf nach rechts zu halten und auf der Nordseite des Westgipfels zum Geröllfeld zu gelangen. Nun bin ich wieder unter die Nebeldecke. Bis zum Gocht ist es nicht mehr weit, aber das mühsame Durchqueren des Geröllgebiets zehrt an den Kräften. Nun kommt das grosse Rätselraten: Wie finde ich im Nebel die drei Leistchamm-Gipfel?

Vom Gocht steige ich in Richtung Süd-West durch eine Grassattel zum Horizont auf, und gelange in einfacher Kletterei (II) zu einem Steinmann, welches der Vorder Leistchamm sein sollte. Von dort in wenigen Minuten zu P.2098. Nun halte ich weiter Richtung Westen, gelange in immer schwierigeres Gelände und kann mich im Nebel nicht mehr orientieren. Als ich plötzlich vor einer steilen Felswand stehe, kehre ich um und beschliesse, den (Hinter) Leistchamm auf dem Normalweg zu besteigen. Der Abstieg über Fels und Geröll empfinde ich als mühsam. Wegmarkierungen führen auf einer Höhe von knapp 1900m (nicht auf LK eingezeichnet) zu P.1911. Von hier sind es nur noch knapp 200 Höhenmeter bis zum finalen Gipfelziel!

Als ich den Leistchamm erreiche, ist es kurz vor 16 Uhr. Nach 15.5 Stunden bin ich ziemlich geschafft, aber glücklich über das Erreichte.

Nun geht’s nur noch runter: Die 900Hm Abstieg ins Arvenbüehl sind eine Qual für die Knie, doch schaffe ich es noch pünktlich auf das Postauto um 17.21 Uhr.

Fazit

Eine lange, aber einmalig kurzweilige Tour. Schade, dass ich im Nebel den Mittler Leistchamm nicht gefunden habe und deshalb nicht auf die magische Zahl von 13 Churfirsten-Gipfeln gekommen bin – aber das ist ein Detail ;-)

Durchgangszeiten

  • Unterwasser: 00:20 Uhr

  • Chäserrugg: 02:55 Uhr

  • Hinterrugg: 03:10 Uhr

  • Schibenstoll: 04:55 Uhr

  • Zuestoll: 06:35 Uhr

  • Brisi: 08:20 Uhr

  • Frümsel: 10:10 Uhr

  • Selun: 11:40 Uhr

  • Wart: 12:50 Uhr

  • Schären: 13:15 Uhr

  • Nägeliberg: 13:35 Uhr

  • Vorder Leistchamm: 14:35 Uhr

  • Hinter Leistchamm: 15:45 Uhr

  • Arvenbüehl: 17:10 Uhr

Ausrüstung / Verpflegung

  • – Feste Bergschuhe

  • – Wanderstöcke

  • – 4.5 Liter Sponser ‚Competition‘-Getränk

  • – Sponser-Energieriegel und -gels, Trockenfrüchte

Trivia

Von irgendwoher hatte ich vernommen, 🔗Eugen schlage die Zeit auf den langen Zustiegsmärschen seiner Bergabenteuer mit Hörbüchern tot. Vorsorglicherweise hatte ich mir ‚Stiller‘ von Max Frisch auf den iPod geladen. Angesichts des abwechslungsreichen Routenverlaufs musste ich aber nicht darauf zurückgreifen – die Zeit verging auch so wie im Fluge.

Ein knappes Jahr zuvor hatte ich die sieben Churfirsten von Ost nach West bestiegen.

Kurzinfos
  • Datum

    12. Juni 2011

  • Region

    St. Gallen

  • Teilnehmer

    Alex

  • Höhenmeter

    4800m Aufstieg

    4433m Abstieg

  • Schwierigkeit
    II
    T5